Das Ölkartell Opec steht vor einer neuen Zerreißprobe

Wenn sich Anfang der kommenden Woche die Energieminister der größten Rohöl-Exportstaaten zur Videokonferenz zusammenschalten, ist die Position des mächtigsten Opec-Staates Saudi-Arabien bereits klar: Das Königreich will die 23 Länder umfassende Opec-plus-Allianz dazu bewegen, die derzeit gültigen Förderkürzungen noch um einige Monate zu verlängern.

Ursprünglich wollte die Allianz die Fördermengen ab Januar um zwei Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Doch Saudi-Arabien fürchtet eine neue Ölschwemme, die für Rückschläge beim Abbau der weltweiten Lagerbestände und der Erholung der Ölpreise sorgen könnte. Auch die Märkte nehmen eine Verlängerung der bestehenden Förderkürzungen um mehrere Monate bereits vorweg.

Der strikte Kurs der Opec hat zusammen mit dem Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs den Ölpreis kräftig steigen lassen. Seit Anfang November hat sich etwa die Nordseesorte Brent um rund 30 Prozent verteuert und notiert nur noch knapp unter der Marke von 50 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) auf dem höchsten Stand seit Ende Februar.

Doch ob die Förderallianz eine Stütze für die Ölpreise bleibt, ist weiterhin ungewiss. Die Entwicklung hänge „vom Zusammenhalt innerhalb der Opec-plus-Gruppe ab, die vor einer erneuten Zerreißprobe steht“, schreiben die Forscher am DIW in Berlin, Dawud Ansari und Hella Engerer, in einer aktuellen Studie.

„In Anbetracht der niedrigen Exporteinnahmen haben Erdölproduzenten starke Anreize, vereinbarte Förderkürzungen nicht einzuhalten und so dringend nötige Mehreinnahmen zu schaffen“, schreiben die DIW-Forscher weiter. In der Vergangenheit hatte dies die Opec-plus-Verhandlungen immer wieder belastet. Vor allem der Irak, Nigeria, aber auch der Opec-plus-Partner Russland waren immer wieder durch eine überhöhte Ölproduktion aufgefallen.

Die Förderallianz hatte ihre selbst gesteckten Quoten regelmäßig nur erfüllt, weil Saudi-Arabien die eigene Produktion deutlich stärker gekappt hatte. Doch das Königreich ist zunehmend unwillig, mit großen Opfern zur Ausbalancierung der Ölmärkte beizutragen. Im Sommer hatte der saudische Energieminister Abdulaziz bin Salman den Druck etwa auf den Irak und Nigeria erhöht und mit einem neuen Preiskrieg gedroht, sollten beide Staaten ihre überhöhte Ölproduktion nicht durch noch schärfere Einschnitte kompensieren.

Ein erneutes Scheitern der Opec-plus-Verhandlungen sowie eine neue Runde von Lockdowns hätten möglicherweise weitreichende Konsequenzen für den Ölpreis, heißt es in der DIW-Studie. Die Forscher haben verschiedene Szenarien durchgerechnet. Derzeit preisen die Märkte eine deutliche Erholung der Ölnachfrage ein.

Sollten neue Reisebeschränkungen jedoch die Ölnachfrage um fünf Prozent senken, könnte der Ölpreis auf 35 Dollar pro Fass fallen – selbst wenn die Opec-plus-Allianz ihre derzeitigen Förderkürzungen aufrechterhält. Noch düsterer ist die DIW-Prognose für den Fall, dass die Ölnachfrage nochmals deutlich um 15 Prozent einbricht und gleichzeitig die Opec-plus-Verhandlungen kommende Woche scheitern. Dann könnte der Ölpreis auch auf 25 Dollar fallen.

Für die Opec-Mitgliedstaaten wäre das eine Katastrophe. Sie stehen jetzt schon erheblich unter Druck. Die Exporteinnahmen vieler Golfstaaten hängen zu einem Großteil vom Öl ab. Bei Saudi-Arabien stammen dem DIW zufolge sogar 94 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gassektor.

Immerhin: Das Königreich hat den Vorteil, dass ein gefüllter Staatsfonds sowie große Devisenreserven einen Preiskampf verkraftbar erscheinen lassen. Länder wie der Irak, die schon jetzt kaum ihre Beamten bezahlen können, trifft ein erneuter Einbruch der Ölpreise ungleich schwerer.

Zumal die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie die Staatshaushalte ohnehin stark belasten und die Verschuldungsquoten steigen lassen. „Corona-Pandemie und rückläufige Exporterlöse haben die Golfstaaten in einer Phase ohnehin geringen BIP-Wachstums getroffen“, schreiben die DIW-Forscher. Ein unruhiger Ölmarkt werde den Produzenten noch länger zu schaffen machen, sind sie überzeugt.

Ein Scheitern der Opec-plus-Verhandlungen kann sich daher eigentlich kein Ölexporteur leisten. Das sehen auch die Märkte so: „Eine Beibehaltung der aktuellen Produktionskürzungen um weitere drei Monate scheint mittlerweile Konsens“, sagt Eugen Weinberg, Chefanalyst für die Rohstoffmärkte bei der Commerzbank

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